Jörg Immendorff

Maler Jörg Immendorff gestorben

Düsseldorf/Berlin (dpa) - Der Maler Jörg Immendorff ist tot. Der Kunstprofessor starb am Pfingstmontag, dem 28. Mai 2007, nach langem Leiden im Alter von 61 Jahren in seinem Haus in Düsseldorf, wie seine Ehefrau Oda Jaune-Immendorff und der behandelnde Neurologe Thomas Meyer in Düsseldorf mitteilten.

Immendorff litt seit Jahren an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und wurde auch an der Charité in Berlin behandelt. Der dortige Spezialist Meyer sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, in den Morgenstunden sei ein plötzlicher Herzstillstand eingetreten. Vertreter aus Politik und Kunst würdigten Immendorff als «beeindruckende Persönlichkeit» und «herausragenden Künstler».

Immendorff, am 14. Juni 1945 im niedersächsischen Bleckede geboren, zählte zu den bekanntesten und bedeutendsten Malern in Nachkriegsdeutschland. Insbesondere mit dem Bilderzyklus «Café Deutschland» aus den späten 1970er Jahren, in dem er die deutsche Teilung in expressiver Malweise anprangerte, eroberte sich der ehemalige Maoist einen Platz in der jüngeren Kunstgeschichte. Seine letzten, oft kleinfigurigen Arbeiten, tendierten zum Surrealismus. Mit dem häufigen Motiv des «Maleraffen», der einen Pinsel hält, ironisierte er in vielen Bildern die eigene Zunft.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder nannte den Tod des Malers einen großen Verlust für die Kunstwelt. «Mit Jörg Immendorff verlieren wir einen der größten Maler Deutschlands, der international hoch geachtet war», erklärte Schröder in Berlin. «Er hat mich oft auf meinen Auslandsreisen als Bundeskanzler begleitet und mit seinen Ausstellungen dazu beigetragen, den Ruf Deutschlands als Kulturnation zu mehren. Ich werde Jörg Immendorff, der mir zum Freund wurde, sehr vermissen.» Immendorff hatte Schröder erst vor wenigen Monaten ein Porträt geschenkt.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte den Schüler von Joseph Beuys einen der herausragendsten bildenden Künstler seiner Zeit. Er zähle seit den 70er Jahren zu den wenigen deutschen Künstlern, denen es gelungen sei, der jungen deutschen Kunst wieder internationalen Ruf zu verschaffen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) betonte, Immendorffs Kunst werde auch «über seinen Tod hinaus bleiben und Wirkung entfalten».

Der Berliner Theaterregisseur Christoph Schlingensief würdigte den Kunstprofessor als «sehr mutigen Menschen» und gesellschaftspolitisch engagierten Künstler mit einem «erweiterten Kunstbegriff». «Für ihn war klar, dass sich der Künstler nicht hinter seine Bilder zurückziehen kann. Er war auch ein sehr mutiger Mensch und eine beeindruckende Persönlichkeit», sagte er in Berlin.

Gemeinsam mit seiner jungen Ehefrau hatte sich Immendorff auch Jahre lang gerne auf den Partys und Gesellschaften im Lande gezeigt und der Regenbogenpresse Lesestoff geliefert. Die Tatsache, dass Immendorff mit Kokain und Prostituierten in einem Düsseldorfer Nobelhotel von der Kripo erwischt worden war, tat seinem künstlerischen Ruf keinen Abbruch. Er erhielt eine Bewährungs- und eine hohe Geldstrafe, was auch außerhalb der Kunstszene für Schlagzeilen sorgte.

Auf der Rangliste der 100 bedeutendsten Künstler der Welt im «Kunstkompass» des Wirtschaftsmagazins «Capital» konnte sich der Düsseldorfer Kunstprofessor mit Hang zu «erotischen Inszenierungen» um zehn Plätze ins Mittelfeld vorschieben. Die Zahl kleinerer und größerer Ausstellungen im Lande, auf der oft lediglich seine Grafik präsentiert wurde, mehrten sich merklich. Zuletzt war im Winter 2005 eine international beachtete Ausstellung des Künstlers in der Neuen Nationalgalerie in Berlin gezeigt worden.

Den angesehenen Goslarer Kaiserring, eine der begehrtesten deutschen Auszeichnungen für Künstler, hatte Immendorff Anfang Oktober 2006 wegen einer schweren Lungenentzündung nicht mehr selbst entgegen nehmen können. Mit seiner Krankheit, die vor dem Erstickungstod zunächst Arme und Beine lähmt, ging Immendorff in den letzten Jahren ganz offen um.

Auch zur Hilfe weniger prominenter ALS-Patienten wolle er «alle Bataillone in die Schlacht werfen», hatte Immendorff gesagt. Er stiftete Geld für ein Forschungsstipendium an der Berliner Charité zum Kampf gegen ALS und bekannte sich zu seinen «Angstschüben» angesichts eines von den Ärzten lang vorhergesagten qualvollen Endes. Gemeinsam mit Schlingensief brachte der schwer gezeichnete Maler, der lange nur noch mit Hilfe von Assistenten arbeiten konnte, das schleichende Nerven-Leiden sogar öffentlich auf die Bühne.

Quelle: msn-news

Vom 13.10.2006 bis zum 14.01.2007 fand eine große, viel beachtete Immendorff-Ausstellung im Stadtmuseum Hattingen in Hattingen-Blankenstein statt.